Diptychon – Mal analytisch gedacht

Der Begriff Diptychon kommt aus dem Griechischen und steht für zweiteilige Relieftafel oder Gemälde. In der Fotografie wird der Begriff gerne verwendet wenn in einem Fotobuch auf einer Doppelseite jeweils ein Bild dargestellt wird.

In der Bildwerbung werden Diptychone gerne für Plakate verwendet um irgend ein Produkt mit einer Geschichte zusammenzufügen.

Mir ist das Thema Diptychon in seiner Komplixität bei bei einem Fotobuch von Friedrich Eisenstaedt bewusst geworden.

aus den Buch “Fotografien von Alfred Eisenstaedt”

Eisenstaedt war ja ein klassischer Reportagefotograf oder Streetfotograf und kein Werbefotograf. In seinem Buch bringt er aus seinem Fotofundus immer 2 Bilder zusammen. Schwer beeindruckte mich wie seine Diptychone zusammenhängen, aber auch Kontraste darstellten und gleichzeitig eine kleine Geschichte erzählte. Man verharrt förmlich bei jeder Doppelseite und sucht die Story “behind the Picture”.

Weitere Inspiration findet man auch in der täglichen Werbung. Autoprospekte sind da ein wahrer Schatz an Anregungen für großartige Diptychone. Der Mit20er in einem Käfer um sich das Gefühl der 1960er zu gönnen, daneben das Surfbrett um das Auto auch in die Moderne zu führen. Tradition und Moderne sind so die stärksten Botschaften.

Um mich dem Thema zu nähern gab ich mir 2 kleine Aufgaben. Zum einem wollte ich mal ausprobieren wie man die Aufmerksamkeit des Betrachters steigert. Dann geht es noch um eine kleine Geschichte rund um ein Schuhprojekt.

Die diptychonale Aufmerksamkeit

Die Storie dieses Bildes könnte wie folgt lauten:

Das Barometer auf der rechen Seite dominiert das Bild. Um mehr Informationen zu bekommt muß der Betrachter jetzt nach links lesen. Das ist ungewohnt und provoziert. Bei neugierigen Betrachtern funktioniert so was ganz gut, er fühlt sich gefordert und will mehr.

Das gleiche Barometer nochmal in klein sorgt dafür das die Augen nach links wandern, es ist mehr oder wenig eine kleine Brücke (oder Lockmittel, nach dem Motto schau doch mal was da noch ist.) Dann steht da der Mann vor einer Zeitung und liest. Was liest er da? Die Augen gehen wieder nach rechts. Das Barometer zeigt ein Hochdruckgebiet an, was umgangssprachlich für gute Nachrichten steht. Schon baut sich die Geschichte zusammen, der Betrachter liest also gute Geschichten.

Ich will nicht behaupten, das es sich um ein Duo auf Eisenstaedt-Niveau handelt. Aber es zeigt 2 interessante Ausdrucksformen in Diptychonen. Es fängt den Blick des Betrachters ein und führt ihn über eine Brücke (kleines Barometer) zu einer kleinen Geschichte. Es zwingt den Betrachter aber auch sich Gedanken zu machen und eine Antwort zu suchen. Diese kleine Anstrengung führt in der Regel dazu das sich jemand ein solches Bild eher merken kann.

Ich will aber auch nicht unerwähnt lassen das der etwas oberflächliche Betrachter von einem solchem Diptychon schnell verschreckt ist. Da muß es etwas simpler sein, damit man Ihn einfängt.

Simple diptychon Bildsprache

Die Werbung arbeitet häufig viel plakativer. Das liegt auch daran, das sich ein Bild in der Einkaufspassage an vorbei hetzende Passanten wendet. Da hat man nur einen kurzen Augenblick das Unterbewusstsein des Betrachters zu erreichen. Es muss als “BÄMM” machen, einen 2. Versuch bekommt man nicht.

Dazu erstmal ein Beispiel was meines Erachtens nicht so optimal ist.

Diptychon, Wandern, Schuhe, Wanderlust

Ein Bergschuh und ein Berg. Schön einfach von links nach rechts gelesen. Aber was soll hier die Botschaft sein? Das ein Bergschuh in die Berge gehört ist nichts Überraschendes. Meines Erachtens kann eine so simple Botschaft sogar schädlich sein. Die Augen wabern hin und her und wissen nicht so recht um was es hier geht. Andererseits wird hier ein einfacher Zusammenhang bestätigen, ja ein Bergschuh gehört in die Berge. Das ganze ist so simpel wie langweilig. Vielleicht lässt sich die Sehnsucht nach einem Berg im Betrachter wecken, aber was soll der Schuh dann. Ganz ehrlich, mich toucht das nicht.

Aber nehmen wir doch mal den Schuh alleine. Wie ein Monument steht er da. Das tolle Bild macht was mit dem Betrachter. Ja, ein schönes Bild ist das, und mit dem Schuh kann man wandern, ja das möchte ich auch mal wieder machen….. Schon fängt er an das Bild zu assoziieren und seine eigene Geschichten dazu zu entwickeln. Er verknüpft es mit Erinnerungen und Wünschen. Das Bild macht was mit ihm !!

Den Schuh alleine finde ich in diesem Fall viel stärker als wenn ein Dipychon sagt: Nimm den Schuh und dann Berg, irgendwie ?!?!?.

Versucht es einfach mal selber und schaut einen Moment nur auf den Schuh.

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Gelenkte Bildsprache

Eine hohe Diptychon-Kunst ist die gelenkte Bildsprache. Ein Doppelbild was den Betrachter auf ein gezieltes, inneres Gefühl führt und dabei nicht “rumkommandiert”.

Produktfotografie, Lowa

Schaut euch das Diptychon mal genauer an. Die westliche Welt liest von links nach rechts. Also schaut man erstmal auf den Schuh. Dann geht es mit den Augen nach rechts, ganz einfach und millionenfach geübt. Dort findet er 3 Wanderer, positiv Erschöpf bei einer Pause. Gemeinschaftsgefühlt, yeah! Sie beobachten etwas, das heißt sie erleben gerade etwas. Das ist was doch jeder Wanderer gerne macht. Dann der Blick zurück auf den Schuh. Meint ihr nicht auch das der euch bei einem solch tollem Erlebnis unterstützt.

Vielleicht wäre es noch besser gewesen wenn die 3 Wanderer enger beieinanderstehen, sich vielleicht in den Armen halten, schwitzend, strahlend, irgendwo auf einem Gipfel. Das kann aber auch schnell etwas zu viel sein, also die Ebene wo sich der normale Wanderer eh nicht sieht. Bedenkt, nicht jeder will auf den Mount Everest steigen und fühlt sich von solchen Bilder auch nicht angesprochen.

Dieser kleine Beitrag soll einfach mal ein paar Gedanken und Erfahrungen zu Dyptichonen in der Fotografie wiedergeben. Es gibt sicher noch andere dyptichonale Herangehensweisen. Welche Erfahrungen habt ihr denn so gemacht ? Postet doch einfach mal eure Erfahrungen.

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