Nach welchen Mustern sollte man ein Fotobuch gestalten oder wie kann ich meine Bilder besser wirken lassen ?

So ähnlich stellte ich mir die Frage bei einigen meiner Fotobuchprojekte. Bei der Frage wie das andere machen bin ich auf ein wahres Meisterwerk der Fotobuchkunst gestoßen – Alfred Eisenstaedt´s Buch Deutschland.

Eisenstaedt gehört zu den Ikonen der Fotografie. Jeder kennt sicher sein Bild der Kussszene am TimesSquare während des Victory Days 1945. Mit seiner einfachen aber sehr strukturierten Bildsprache gehört er für mich zu den Klassikern der Fotografie.

Das Buch gibt aber nicht nur darüber einen Einblick. Aufbau und Gestaltung wertet die verwendeten Bilder auf. Jede Doppelseite hat jeweils nur 2 Bilder. Die Bilder stehen in einem Zusammenhang, bilden aber einen Kontrast. Das ist in einigen Teilen so geschickt gemacht, das Fotografien die alleine nicht sehr interessant sind im Zusammenhang eine komplett andere Wirkung erhalten. Die Kontraste, die dabei entstehen, sind vielfältig.

Da gibt es den Fahrradfahrer der im Verhältnis steht zu den Rennradfahrern. Kontrast hier der unterschiedliche sportliche Anspruch.

 

Dann gibt es die Ballettschule, dynamische, disziplinierte Mädchen die einem Klassenraum voller strenger Krankenschwestern gegenüberstehen.

 

Eines der berühmtesten Bilder von Eisenstaedt zeigt Göbbels mit einem teuflischen Blick der im Kontrast zu einem katholischen Kardinal gezeigt wird.

 

Auch die Darstellung der Ballettschulen aus den 1930ern und 1970ern steht nicht nur in einem zeitlichen Kontrast sondern liefert einen Blick in die unterschiedlichen Ausdrucksformen der beiden Epochen.

 

Fotobuch gestalten – Was können wir von Eisenstaedt lernen ?

Ohne Frage ist es interessant den hier gewählten Ansatz auf das eigene Fotobuch zu übertragen. Dabei muß man ja nicht nur den zeitlichen Kontrast zweier Epochen suchen. Ich könnte mir zb bei Sportfotografie vorstellen den Sieger und den Verlierer gegenüberzustellen. Einer der hoch gesprungen ist, der andere der am Boden liegt. Kontraste können auch in den Farben liegen. Hat das eine Bild einen blauen Schwerpunkt könnte das andere mehr ins Orange gehen. Bei Landschaftsfotos bietet sich an den Bergsteiger zu zeigen, der gerade in voller Anstrengung den Berg erklimmt. Auf der anderen Seite das Gipfelbild mit einem zufriedenen Angekommenden.

Viele meiner früheren Fotobücher sind chronologische Auflistungen, da waren wir hier, dann ist das passiert und am Ende war es so. Eisenstaedt geht da ein ganz anderen Weg den ich auf jeden Fall mal ausprobieren werde. Es ist mir auch klar, dass ich dazu aber auch andere Bilder brauche, Bilder in denen ich Kontraste finde.

 

Leider ist das Buch nicht mehr käuflich zu erwerben aber in dem einen oder anderen Antiquariat lässt es sich noch für recht kleines Geld finden.

PS: Wer noch mehr über das Fotobuch gestalten wissen will, für den lohnt es mal nach Derek Birdsall zu suchen. Er hat dieses Buch gestaltet und gehört zu den bedeutenden englischsprachigen Grafik- und Designern. Er hat einige Lehrbücher über das “Book Design” herausgebracht.

 

Quellenangaben:

Eisenstaedt: Deutschland

Fotografien von Alfred Eisenstaedt

Herausgeber: Gregory Vitiello

Künstlerische Gestaltung und Design: Derek Birdsall

International Standard Book Number: 0-8109-0954-5

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