Was es zur Ausrüstung zu sagen gibt ?

Das Equipment, welches wir gebrauchen, spielt nur eine kleine Rolle. Vielmehr kommt es darauf an, es zu beherrschen.
– Sam Abell –

 

Vor ein paar Jahren hatte ich auf meinen Reisen immer einen riesigen Koffer mit Fotozeug dabei. Ihr könnt nicht glauben was ich geschleppt habe. Hat mir das geholfen? Sind meine Bilder besser geworden? Soll ich euch was sagen? Rückblickend habe ich mich viel zu sehr damit beschäftigte ob ein 24mm oder 50mm die richtige Wahl ist. In der Zwischenzeit habe ich gelernt, dass es manchmal wichtiger ist nur einen Schritt nach links zu gehen um ein besseres Bild zu bekommen.

Meine heutige Fotoausrüstung habe ich danach ausgesucht, dass ich eine RAW-Datei bekomme, die sich mit Photoshop, Lightroom oder CaptureOne optimal zu einem eigenen Fotostyle entwickeln läßt. Da ich seit gut 30 Jahren mit Nikon fotografiere ist meine Ausrüstung rund um dieses System gewachsen bzw evolutioniert. Habe ich früher viel mit Zooms gearbeitet so bin ich in der Zwischenzeit ein überzeugter Nutzer von Primes. Macht auch viel mehr Spaß.

Die Frage nach einem Systemwechsel hat sich auch schon mal gestellt. Der Leica Style ist ja immer wieder in aller Munde und ich finde den wirklich toll. Aber ganz ehrlich, mit den richtigen Objektiven und ein paar Stunden rumschrauben in Lightroom oder Photoshop kommt man der Sache auch schon sehr nahe. Und habt ihr mal direkt aus einer Leica M Bilder gezogen? Ganz ehrlich, diese Kamera ist eine Legende aber nicht perfekt. Fuji GFX war auch mal in Diskussion, aber bei Reportagen oder Sport ist das auch schnell mal eine Kamera die zu langsam ist. Das Nikon Zeug hat ohne Frage hier und da seine Schwächen, aber eigentlich ist es ein gutes, professionelles Handwerkszeug für alle Gelegenheiten. Und was Style angeht liegt meines Erachtens die Wahrheit auf dem Rechner und das gilt für alle Kamerasysteme ob sie Canon, Pentax, Hasselblad, Leica, Nikon oder Fuji heißen.

Hier nun meine aktuelle Equipment Liste, alles was lieb und teuer ist:

Nikon D850

Es weihnachtete 2018 sehr, mein Gefühl sagte mir das für ein hartes und intensives Jahr auch mal wieder eine Belohnung fällig ist. Mit Dackelblick schaute ich meine Frau an. Sie kann so verständnisvoll sein, ich liebe sie dafür. Meine alte D800 gab ich in Zahlung und bekam diese neue Wundermaschine von Nikon. Klar verschwendete ich auch einige Gedanken an die Z7, aber wollte ich wirklich eine komplett neue Kamera kaufen, so wie damals die D800. Die D850 war ja jetzt die 3. Generation der D800 Familie, die Kinderkrankheiten sollten sich erledigt haben. Und die Z7 mit ihrem Adapter ist auch keine kleine Kamera, also es wurde die D850.

AF-S Nikkor 58mm f1,4G

Mich begeisterten die Hauttöne, dieses tolle Bokeh und dann die Frage nach mehr Qualität im 50er Bereich. Sigma ist scharf aber die Farbkontraste und Farbabbildungen gefallen mir überhaupt nicht. Das 58mm ist offenblendig cremig, böse Zungen nennen das unscharf. Dafür sind die Farbkontraste hervorragend und lassen sich mit der Bildbearbeitung hervorragend aufpeppen. Abgeblendet bekommt man zu den tollen Farbkontrasten Schärfe im Topbereich. Es wiegt nur ca 400gr- Sigma belastet einen mit 850gr und das Tokina Opera mit ca 1kg. Wer ein Top Objektiv sucht und dazu Bokehliebhaber ist, für den gibt es keine Alternative. Zusammen mit der D850 ein Traumduo.

AF-S Nikkor 70-200mm f2,8G

Ein fantastisches Objektiv. Scharf, kontrastreich und schnell. Es gibt viele Liebhaber des Zeiss ApoSonnar 2/135 die dieses für das beste Objektiv im leichten Telebereich halten. Ich habe beide verglichen und noch kein gutes Argument gefunden, das 70-200 gegen das ApoSonnar zu tauschen. Ja, das ApoSonnar hat die Zeisshaptik und eine Blende f2, aber das Nikon ist trotz Zoom nur wenig davon entfernt. Viele schwören auf das Bokeh des Zeisses, aber ganz ehrlich, dass Bokeh des 70-200 muß sich nicht verstecken. Dazu hat es einen rattenschnellen Autofokus, der dem ApoSonnar fehlt.

AF-S Nikkor 14-24mm f2,8G

Habe nichts vergleichbares gefunden. Farben, Schärfe, Verzeichnung und Kontrast sind auf Top Niveau. Würde dieses Objektiv nicht gegen die Zeisslinsen 15mm, 18mm oder 21mm tauschen. Ja, man kann keinen Graufilter vorschrauben. Dafür habe ich den Vorteil alle Brennweiten in einem Objektiv zu haben und nicht 3 schwere Linsen tragen zu müssen. Vergleiche mit Sigma und Tamron habe ich nicht unternommen und kann dazu nichts sagen.

AF-S Nikkor 85mm f1,4G

Scharf und cremig, ein Objektiv mit einem eigenem Character. Habe längere Zeit nach einem 85er gesucht, mit dem man einen eigenen Style entwickeln kann. Zeiss Otus war mir zu teuer und das Sigma passt von den Farben nicht. Das Nikkor f1,8 bildet meines Erachtens alles typisch Nikon ab, hat auch ein nettes Bokeh aber am Ende fehlt mir da das Besondere. Das Zeiss Planar kommt an das Nikon nicht ran und beim Zeiss Milvus fehlt mir der Autofokus, auch wenn es mit seinem eigenem Character durchaus in die engere Wahl kam. Das Bokeh des f1,4G finde ich großartig, allerdings ist das Objektiv im Gegenlicht etwas CA lastig. Lightroom kriegt das aber hin 😉

AF-S Nikkor 50mm f1,4G

Es ist meines Erachtens nicht besser wie das 24-70mm, kann aber Bokeh. Gegen das Makro-Planar 50mm und Distagon 35mm fällt es deutlich ab, was Abbildungsqualität angeht. Dafür hat es im Gegensatz zu den Zeiss Objektiven Autofokus und ist sehr leicht. Habe es häufiger mal auf Wanderungen durch die Berge mit, da es akzeptable liefert und nicht so schwer ist.

Zeiss Makro-Planar 50mm f2

Ein Objektiv welches Schärfe und Kontrast neu definiert. Bei Portraits habe ich manchmal den Eindruck, dass es zu scharf und kontrastreich ist und jeden Pickel brutal herausarbeitet. Nutze dieses Objektiv auch bei Reportagen, wegen dem schönen Zeiss Flair und der tollen Kontrastwiedergabe. Wie auch das 28mm und 35mm ist das Objektiv bei Available light großartig und setzt sich von den Nikkors ab. Es ist aber ein Makro, im normalen Straßeneinsatz hat man ein anderes Bokehverhalten und ist nicht vergleichbar zum 58mm, Zeiss 35mm oder Nikkor 50mm.

Zeiss Distagon 35mm f1,4

Habe lange nach einem 35mm gesucht, welches gegenüber dem 24-70mm einen deutlichen Qualitätsunterschied bringt und mir ein Bokeh liefert, was man auch nutzen kann. Nach einer langen Reise über Sigma-Art und die Nikkore mit f1,4 und f1,8 bin ich bei diesem Objektiv gelandet. Es ist in der Zwischenzeit mein Immerdrauf. Nach einer Fotosession fragte mich mal jemand, wieso meine Bilder so eine strahlende Anmutung haben. Tja, das Zeiss hat daran seinen Anteil.

DX Fisheye-Nikkor 10,5mm f2,8G

Ein Objektiv, was ich mir mal für die D200 gekauft habe. Trotzdem es nur DX bedient ist es nicht aus meiner Tasche gefallen. Es stellt beeindruckend die Farben dar, ist knackscharf und sehr leicht. Für den Fisheye Effekt ist das immer noch eine gute Wahl.

Blitz SB910

Tut was er soll.

Bildmaschine

Ja ich weiß, die Bilder muss man doch auf einem MacBook Pro bearbeiten. Aber ich muß euch enttäuschen, bei mir werkelt ein PC, allerdings mit allem was ihn schnell und nützlich macht (Windows 10, i7, 16 GB-RAM, 4TB). Ein EIZO-Bildschirm CS2420 (immer schön kalibriert) zeigt mir dann was die Kameras so aufgenommen haben.

 

Trennungsschmerz

Hier eine Liste von Ausrüstung die ich in der Zeit abgegeben habe. Inklusive einiger Abschiedsworte.

Nikon D800 – eine tolle Kamera in ihrer Zeit. Meine hatte keine der bekannten Kinderkrankheiten und sie begleitete mich 6 Jahre durch dick und dünn. Irgendwann gibt es dann was Neues und ich gab sie 2018 in Zahlung.

Nikkor 24-70 f2.8G – Ich hatte noch kein schnelleres Objektiv im Autofokus. Es war auch bemerkenswert scharf. Nach 9 Jahren wo wir gemeinsam die Welt bereisten war es 2018 Zeit sich zu scheiden. Es entsprach zu diesem Zeitpunkt nicht mehr meinen Ansprüchen. Die Kontraste kommen gegen ein Zeiss 35mm nicht an, und bei Blende 2,8 war mir das Bokeh einfach zu unspezifisch. Bei der Sportfotografie in der Halle bin ich zwischenzeitlich auf das Nikkor 85mm f/1,4G umgestiegen. Geht auch richtig gut!!

Zeiss Distagon 28mm f2 – Gebraucht konnte ich diesem Objektiv nicht widerstehen. Alles was ein Zeiss ausmacht kann man hier finden. Verglichen mit dem Zeiss 35mm merkt man allerdings das es aus einer anderen Zeit stammt, da gibt es schon einen deutlichen Abstand. Schaue ich mir aber einige alte Reportagen an, die ich mit dem 28er gemacht habe, so bewundere ich heute noch den eigenständigen Character, das Gegenlichtverhalten und die kräftigen Zeiss Farben. Ich mußte feststellen, dass es zu diesem Zeiss eine richtige Fangemeinde gibt, die bereit sind gute Preise zu zahlen. Mit Gewinn verkauft bekam ich die finanzielle Möglichkeit auf das Zeiss 35er umzusteigen, was ich bis heute nicht bereut habe.