Landschaftsfotografie gehört mit Sicherheit zu den Disziplinen die jeden Fotografen interessiert. Wer aber atemberaubende Bilder machen will wird schnell feststellen, daß es nicht reicht eine schöne Landschaft zu finden, den richtigen Standort und dann auf den Auslöser einer tollen Kamera zu drücken.

Bildgestaltung ist die alles beherrschende Basis der Landschaftsfotografie. Das ist erst mal unabhängig von der Kamera oder Techniken. Am Ende sind es aber auch nur 4 Zutaten, die eine gute Bildgestaltung ausmachen:

Licht – Tiefe – Struktur – Fixpunkt

Das Licht

Es gibt keine klaren Regeln zu welcher Tageszeit man das „beste“ Licht hat. Schaut man sich die Bilder von Anselm Adams an, so sind viele seiner Bilder zur Mittagszeit entstanden. Die Sonne steht am höchsten Punkt und liefert ein direktes, gerades Licht. Sicher ein Ergebnis warum seine Bilder immer so schön harte Kontraste haben. Sebastiao Salgado scheint hingegen die Morgen- oder Abendstunden zu bevorzugen. Lange Schatten ziehen sich dann durch die Täler.

Um das Licht gestalterisch einzusetzen muß man sich bewußt machen zu welcher Tageszeit man was bekommt. Klare Kontraste am Mittag oder lange Schatten mit weichem Licht am Morgen bzw Abend. Plant man danach seine Fotosessions gewinnt man ein entscheidendes gestalterisches Element.

Die Tiefe

Waren sie mal in der Augsburger Puppenkiste? Die Bühnenbildner verstehen es dort auf eine ganz großartige Weise Tiefe in ihr Bühnenbild zu bekommen. Dies machen sie durch Kulissen oder Wände, die sie in der Tiefe der Bühne verteilen. Gleiches gilt auch bei der Landschaftsfotografie. Die haben immer einen Vordergrund, ein Mittelteil und einen Hintergrund. Denke sie in diesen Schema wenn sie ein Bild suchen und sie bekommen automatisch einen wunderbaren Ausdruck.

Die Struktur

Ihr Landschaftsbild braucht eine Struktur, eine Linie an der sich die Augen des Betrachters langhangelt.

Die Fixpunkte

Ihr Landschaftsbild wird interessant wenn sie kleine Fixpunkte einbauen die sich als außergewöhnlich herausstellen. Das können dramatische Wolken sein, ungewöhnliche Farben, Schattenmuster, ein Gefühl von Höhe oder auch eine kleine Person die auf einer atemberaubenden Anhöhe steht.

Welche Technik sollte ich einsetzen ?

Bildgestaltung sollte auch bei der Landschaftsfotografie die erste Frage sein, Technik wird dann danach ausgewählt. Aber auch hier gilt, das jeder seinen eigenen Weg finden muß. Bei der Wahl der Kameratechnik sollte man aber im Fokus haben, Dinge zu suchen die meine 4 Zutaten optimieren. Ein Polfilter kann Streulicht reduzieren, was mir ein klareres Bild liefert. Der Lichteinfall kann dadurch intensiver werden. Eine große Tiefe kann man durch ein Weitwinkel und eine geschlossene Blende erzielen. Dadurch gelingt es dann schon eher einen Vordergrund in das Bild mit einzubinden. Häufig muß man aber einen Kompromiss eingehen, weil man eine bestimmte Struktur nur mit einem leichten Tele einfangen kann. Ein Graufilter kann Wasserläufe verlaufen lassen und so für eine besondere Struktur sorgen. Was ich damit sagen will, ein guter Landschaftsfotograf macht sich über die 4 Zutaten Gedanken, Technik ist nur dazu da diese hervorzuheben.

Jeden dem das erstmal zu kompliziert ist rate ich mit einem 28mm oder 35mm loszuziehen und damit erste Gehversuche bei der Suche nach den 4 Zutaten zu machen.

Genug der Theorie, hier jetzt einige Beispiele die die Sache veranschaulichen sollten:

1.

Fixpunkt ist das Boot, Struktur einsteht durch das Kielwasser und den Wasserfall, die sich kreuzen. Tiefe entsteht durch das Wasser im Vordergrund, dem Schiff als Mittelteil und der Bergkette im Hintergrund. Das Bild entstand um die Mittagszeit, die Wolken gaben ein weiches Licht. Sicher hätte man sich hier etwas härteres Licht (ohne Wolken) gewünscht. Aber man bekommt nicht immer alles. Brennweite 50mm.

2.

Fixpunkt ist die Sonne aber auch das blau schimmernde Eis. Tiefe kommt durch die schönen Ebenen von vorne bis hinten (Eis, Grass, Küste, Sonne). Die Struktur ist nicht besonders ausgeprägt, ergibt sich aber etwas aus dem Gras und den Eislinien im Vordergrund. Brennweite: 35mm

3.

Die Strasse vereint Fixpunkt, Tiefe und Struktur. Eine harte Mittagssonne liefert die harten Kontraste und wenig Schatten. Brennweite 85mm.

4.

Die Struktur ergibt sich durch das Stadtbild. Fixpunkte sind die Schiffe. Mittagssonne liefert harte Kontraste mit wenig Schatten. Tiefe wird verstärkt durch die Personen im Vordergrund und den weiten Horizont. Brennweite 24mm.

5.

Ein gutes Beispiel für Tiefe, schön sind die 3 Ebenen zu sehen. Wolken und Berge bilden den Fixpunkt, Struktur kommt durch die Felsen. Auch ein Bild um die Mittagszeit, durch die Wolken wirkt das Licht weich. Brennweite 50mm.

6.

Der Fluß gibt die Struktur, Fixpunkt die Person. Mittagslicht bei wolkigen Wetter (weiches Licht). Die Tiefe entsteht durch die 3 schönen Ebenen (Vordergrund, der Fluß als Mitte und Hintergrund). Brennweite 35mm mit Graufilter.

 

7.

Auch hier 3 schöne Ebenen mit Vordergrund, Mitte und Hintergrund, dadurch eine tolle Tiefe. Fixpunkt sind die beiden Wanderer. Das steinernde Meer gibt Struktur. Mittagslicht durch die Wolken recht weich. Brennweite: 50mm

 

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