Vor gut einem Jahr zog das Zeiss 35mm in meiner Fototasche ein. Also ein guter Zeitpunkt mal zu berichten wie wir beiden so zusammengewachsen sind.

 

Ich hatte es mir damals nicht leicht gemacht und einige 35er mit großer Offenblende getestet (siehe hier). Die Entscheidung für das Zeiss viel dann nach abwägen mehrerer für und wieder. Über allem Stand natürlich die Abbildungsqualität und die Suche nach einem neuem Stilmittel. Dann wollte ich mich fotografisch weiterentwickeln ohne gleich meine ganze Fotoausrüstung auszutauschen. Zusammenfassend kann ich sagen, dass Zeiss hat nicht enttäuscht (ganz im Gegenteil), auch wenn der Weg steinig war und ist. Aber von vorne…..

Schraubt man das Nikkor 35mm/f1,4G vor die D800 bekommt man ein perfektes Duo. Autofokus ist da, Haptik und Handling sind fein aufeinander abgestimmt, alles wie aus einem Guss. Das bekommt man nicht, wenn man mit dem Zeiss arbeitet. Fokus hat man manuell einzustellen, Belichtung gilt es auszutesten, denn die optimalen Ergebnisse erzielt man nicht wenn man sich auf die Belichtungsautomatik verlässt. Jedes Foto dauert auch bei viel Übung immer etwas länger und man läuft dann und wann Gefahr den Schnappschuss zu verpassen, der sich vielleicht gerade angebahnt hat.

Jetzt war es allerdings genau das was ich auch gesucht habe. Ich wollte wieder mehr manuell fotografieren, mir wieder mehr Gedanken machen über Verschlusszeit und Blende und die Stilmöglichkeit die sich daraus ergeben. Das Zeiss ist dazu ein idealer Begleiter, weil er auf jede kleine Änderung reagiert und man auch mit sehr feinen Einstellungen die Bildkomposition beeinflussen kann. Manchmal vergleiche ich das Zeiss mehr mit einem feinem Messinstrument, welches zur Analyse genutzt wird als zum reinem fotografieren. Manchmal reicht schon ½ Blendenstufe um die Lichtstimmung zu verändern. Das ist zum einem interessant und liefert auch schöne Ergebnisse, kann aber auch sehr nerven wenn es mal schnell gehen soll.

Wie ist das nun mit dem manuellen fokussieren ?

Die Autofokussteuerung der D800 gilt ja nicht gerade als Inkarnation, selbst wenn man mit den Nikkoren arbeitet. Mit dem Zeiss ist die Unterstützung für die Schärfeeinstellung komplett unbrauchbar. Es soll ja scharf gestellt sein, wenn  man am Schärfering des Objektives dreht bis der kleine Punkt links unten im Sucher erscheint. In der Praxis erscheint der Punkt auch irgendwann, die Bilder sind dann aber konstant unscharf. Alle Justierungsversuche an der Kamera waren erfolglos. Versucht man durch den Sucher ohne Hilfsmittel scharf zu stellen kommt man vielleicht auf eine 50% Quote, mehr aber auch nicht. Nach einigen Studien in den Foren orderte ich dann den Vergrößerungsaufsatz DK-17M der das Problem löste. Mit dem Aufsatz spielt das Zeiss dann sogar richtig seinen Stärken aus. Da die Schärfeebenen bei Offenblende sehr klar zu sehen sind bekommt man sogar ein besseren Eindruck vom späteren Bild als ich das bei allen Nikkoren je beobachtet habe.

 

Wo ist jetzt der konkrete Unterschied zu einem Nikkor 35mm?

Rom

Viele nennen es Mikrokontraste oder den Zeiss Plopp. Ich würde sagen, dass man das nicht nur mit einem Adjektiv beschreiben kann. Meine Suche nach einem anderen Stil bezog sich unter anderem auf die Darstellung von kräftigeren Farben. Die Nikkore bilden zwar Farben immer korrekt ab, aber ich habe häufig den Eindruck dass sie irgendwie flauschig wirken. Das Zeiss liefert da genau das Gegenteil, die Farben wirken kräftig und klar. Saubere Helligkeitsverteilungen runden das Bild dann ab. Kollegen mit denen ich das diskutiert habe, waren die Farben manchmal zu technisch, halt zu genau. Sie wirken dann eher als ob du immer bei absolut klarer Luft und -10grad unterwegs bist.

Bezüglich Schärfe spielt das Zeiss in der Championsliga. Dieser Eindruck entsteht nicht ausschließlich durch Kantenschärfe sondern wird meisterlich durch die ausgeprägten Mikrokontraste unterstützt. Den Bilder fehlt völlig die Anmutung der Nikkore, die zwar an den Kanten scharf sind aber insgesamt doch etwas weicher wirken. Die geringen CAs des Zeisses tun hier sicher auch ihr übriges.

 

Was ist anders in der Nachbearbeitung ?

Für die D800/Zeiss35-Kombination habe ich mir ein eigenes DNG Profil angelegt. Damit kommen die Farben, Mikrokontraste und Schärfenebenen noch deutlicher heraus. Habe ich früher doch immer recht ordentlich mit Lightroom nachgearbeitet, so bin ich mit dem Zeiss viel dichter an den „Out-of-Camera“ Workflow herangerückt als ich es mir je vorgestellt habe. Das heißt aber auch, man darf bei der Aufnahme nicht mehr so „rumhudeln“ wenn man am Ende bestimmte Lichtstimmungen haben will. Andererseits bekommt man Ergebnisse die ich mit den Nikkoren so noch nicht erreicht habe.

Das 35er Zeiss als Immerdrauf !

Dazu vielleicht eine kleine Geschichte. Im Herbst bin ich mit meinem Sohn zu einer Alpenüberquerung aufgebrochen. Dort gilt ja die Regel, mehr als 9kg Gepäck sollte man sich nicht auf die Schultern legen. Die Kamera sollte mit, aber mit dem Zeiss sind dann halt schon mal 2kg weg. Also hatte ich mich zu entscheiden, Schlafsack oder Zeiss ?!?! Naja, Nachts frieren ist kein Spaß, darum entschied ich mich für das Nikkor 50mm/f1,4 und ließ das Zeiss zurück. Jetzt mach ich es kurz, die Entscheidung war falsch und ich habe mich hinterher geärgert. Ich hätte mehr Leidensbereitschaft zeigen sollen, die Bilder wären dann besser geworden.

Selbst im alltäglichen Gebrauch ziehe ich das Zeiss in der Zwischenzeit meinen anderen Objektiven vor. Es ist zu meinem Immerdrauf geworden, insbesondere weil mir ein 28er zu weit ist und auch schon leicht verzehrt.

Wie schlägt sich das 35er Zeiss bei Portraits im Vergleich ?

Eine Frage die mich beschäftigt hat, weil ich für Portraits bisher mit dem Nikkor 50mm/f1,4G, dem Zeiss Makro-Planar 50mm oder für besondere Fälle mit einem Helios-44m-4 von Zenit arbeite. Portrait ist ja eine Situation der optimalen Ausleuchtung und idealen Voraussetzung. Jetzt ist das 35er Zeiss sicher nicht die ideale Portraitlinse. Nimmt man den breiteren Bildausschnitt mal nicht als Kriterium so muss ich allerdings sagen, das meine 3 anderen Objektive hinter dem 35er Zeiss deutlich zurückbleiben. Das Helios spielt hier eh nur eine Nebenrolle und rennt außer Konkurrenz mit. Das Nikkor kommt bei weiten nicht an die Farbechtheit und das Kontrastverhalten ran. Das Makro-Planar ist zwar aus dem gleichem Stall, fällt aber in den Übergängen von Hell/Dunkel deutlich ab. Hier reißen die Flächen schneller aus als bei dem 35er und man muß noch deutlicher unterbelichten. Auch hat man manchmal den Eindruck, dass Details mit dem Makro-Planar zu hart abgebildet werden.

Zusammenfassung

Kurz und gut, ich habe die Anschaffung nicht bereut. Muss aber auch sagen, die Kombination ist kein perfektes Duo und man geht den einen oder anderen Kompromiss ein. Wenn man sich aber auf das Objektiv einlässt bekommt man Ergebnisse, die ich bisher so mit keinem Nikkor erreicht habe. In der Zwischenzeit nutze ich das Zeiss auch bei Sportfotografie. Auf Reisen ist es neben dem Nikkor 14-24 und dem Nikkor 85mm/f1,4G mein treuer Begleiter. Was ich mit dem Objektiv aber mache ist definitiv mehr richtiges, klassisches Fotografieren. Für schnell mal ein paar Bilder machen, wo es vielleicht auch nicht so auf die letzte Qualität ankommt, sind weiterhin meine Nikkore wie zb 24-70mm oder 50mm im Einsatz.

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