Mit der Rolleiflex SL66 ganz dicht dran

Wie ich zur Rolleiflex SL66 gekommen bin habe ich schon in einem früherem Blogbeitrag berichtet. Sich nur das Auslösegeräusch (es ist so schön) anzuhören, reicht natürlich nicht. Darum wurde es Zeit mit ihr mal ein paar Runden zu drehen.

Um die Kamera besser kennen zu lernen hatte ich mich für eine kleine Studiosession entschieden. Bei klar definierten Lichtverhältnissen sollte ein kleiner Test von Blende und Verschlußzeit erfolgen, in dem Alter ist es nie sicher ob da noch alles richtig läuft. Weiter auf der Agenda standen Handhabung und gewinnen von Routine.

Im Kühlschrank lagen noch 4 Fuji Provia 100F, die zum Einsatz kommen sollten. Mir war klar, Farbdiafilme benötigen eine genaue Belichtung! Das bei dem Fuji-Film noch mehr Herausforderungen lauern hatte ich allerdings nicht erwartet, dazu später.

Erste Gehversuche

Rolleiflex SL66 Langzeitbelichtung Planar 80mm
Rolleiflex SL66 in schwierigen Lichtverhältnissen

Als ersten Versuch entschied ich mich für eine Aufnahme in unserem gerade renoviertem Treppenhaus. Die Lichtverhältnisse sind besonders schön und es interessierte mich, wie sich die SL66 bei Blende 22 und gut 2sec Belichtungszeit schlägt. Die analogtypischen hell-dunkel Verläufe sind richtig schick. Auch in der Tür macht das Licht von Blau ins Gelbe etwas her. Ich bin mir nicht sicher, ob mit einer digitalen Kamera das auch so gelingt.

Jetzt geht es ins Detail

analoge „Schärfe“

Der zweite Versuch war eine Chinatasse im Studiolicht (Farbtemperatur 5700k). Schön sind die sauberen Blautöne. Das Weiß hat einen leichten Blaustich (vermutlich von Reflektionen). Sehr natürlich und weich. Man sollte nicht außer acht lassen das wir von einem ca. 50 Jahren alten Objektiv sprechen. Umso erstaunlicher das Ergebnis. Auch damals waren die Vergütungen schon sehr gut und lieferten klare Farben.

Eine kleine Serie

Nachdem die richtige Belichtung gefunden wurde, machte ich eine kleine Serie, immer im gleichem Set. Wie sich Kamera/Objektiv bei unterschiedlichen Grundfarben verhält ist schon toll.

Rolleiflex SL66 makro
Orangen mit diesem tollem Analoglook
Rolleiflex sl66 fuji provia 100f
Bananen gab es auch, Blende 2,8
Rolleiflex SL66 Provia Fuji 100f planar 80mm
Nippel mit ein wenig falscher Belichtung. Das Blaue ist eigentlich schwarz

Die Frage nach dem Scan

Einige werden sich Fragen wie die Bilder gescannt wurden. Ich mache das mit einer Nikon D850 / Zeiss Makro-Planar 50mm auf einem Leuchttisch. Bei 120er Rollfilm ist das nicht ganz trivial und fordert einiges an Fummelei. Bei Diafilmen bedarf es keiner Konvertierung, allerdings bessere ich die Bilder schon ein wenig mit dem Histogramm nach. Vielleicht schreibe ich später einen Bericht und gebe meine Erfahrungen weiter. Interessant wäre es sicher auch an euren Erfahrungen teilzuhaben.

Der Fuji Provia 100F

Last but not least will ich noch paar Worte über den Fuji Provia 100F verlieren. Als Diafilm verlangt er absolut genaues belichten. Absolut heißt absolut, selten habe ich eine solche Zicke erlebt. Schon 1/2 Blende daneben und das Weiß rauscht ins Gelbe, Schwarz ist plötzlich blau. Klar, sowas muß nicht frustrieren sondern kann auch Ansporn sein. Aber letztendlich ist das alles auch sehr anstrengend und es wäre sehr schön wenn der Provia nicht so empfindlich wäre. Die ganze Zeit ging mir deswegen die Frage durch den Kopf ob die Kodakdiafilme das auch machen?

Fuji Provia 100F
Fuji Provia auf dem Lichttisch

Mit der Film-Entwicklung gab es am Ende dann noch etwas Ärger. Der Fotohändler meines Vertrauens ließ die Diafilme direkt, mit einem sauberen E6 Verfahren, bei Fujifilm entwickeln. Die Ergebnisse waren immer perfekt und mit einem Preis von 5Euro pro Film akzeptabel. Die Enttäuschung war groß, als er mir mitteilte, dass Fujifilm sein Labor geschlossen hat und sie erstmal keine E6-Diafilme mehr annehmen.

Es mußte eine Alternative her. Da ich schon eine Menge negativer Erfahrung mit Fotolaboren gemacht habe, sendete ich die Filme an MeinFilmLab.

Die Entwicklung war wieder mal absolut perfekt und wurde dem gutem Ruf der Jungs aus dem Hürtgenwald gerecht. Auf der anderen Seite steht aber auch ein sehr stolzer Preis, der mich bei 4 Filmen (zum Testen und rumspielen) die Zähne knirschen ließ. Meiner Frau sage ich in solchen Fällen immer, das das ein Vorteil ist, weil man sich mit der Fotografie völlig neue Möglichkeiten erschließt sein Geld unter die Leute zu bringen. Sie bekommt dann immer diesen gnädigen Blick…..

2 replies on “ Mit der Rolleiflex SL66 ganz dicht dran ”
  1. Lieber Dirk Fietz,
    ein interessanter Artikel, der eine aus meiner Sicht wirklich große (in jeder Hinsicht!) behandelt. Ich habe sie selbst über Jahre genutzt und geschätzt, unter anderem auch den eingebauten Balgen, der Nahaufnahmen sehr attraktiv und die Kamera sehr vielseitig gemacht hat. Zwar immer viel zu tragen, die Wanderungen mit 13 kg Ausrüstung sind mir lebhaft in Erinnerung, aber die Ergebnisse haben dann entschädigt. Bin dem Mittelformat treu geblieben (Fuji GFX), es hat sich analog und digital immer gelohnt. Danke also für den Artikel, der leider auch zeigt, dass die analoge Fotografie nicht so leicht aufrecht zu erhalten ist. Freundliche Grüße Ernst Domeyer

    1. Hallo Ernst Domeyer, vielen Dank für den Kommentar. Die (wieder) Entdeckung des Mittelformats macht mir zur Zeit sehr viel Freude. Das große Format produziert einen interessanten Look. Die GFX habe ich einige Zeit getestet und auch im Blog darüber berichtet. Die Kamera ist toll! Mir war der Unterschied zur Nikon D850 allerdings zu gering, wobei letztendlich die Kosten für einen Umstieg auf Fuji die Hauptrolle gespielt haben 🤨

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