Professionelles fotografieren beim Handball

Wer schon mal Handball in vollen Action fotografieren wollte, weiß, das das nicht so einfach ist. Professionelle Bilder mit kontrastreichen Farben sind dann eine echte Herausforderung.

Nach einigen Jahren in dem Metier bin ich aber der Meinung das es lediglich 3 Themen sind auf die es ankommt. Farbmanagement, hohe Verschlußzeiten und eine schlaue Strategie beim fokussieren. Hier ein paar Tipps wie man zu professionellen Ergebnissen kommt.

Handball Fotografie Börde Söhre Hildesheim

Farbmanagement in der Sporthalle

-Weißabgleich-

Es gibt kein schlimmeres Licht als in einer Sporthalle! Meistens hat man Wände und einen Fussboden in knalligen Farben. Das sieht ja hübsch aus, produziert aber bei jedem Fotografen ein Magengeschwür. Das wenige Licht wird mehrmals reflektiert und zerstört am Ende jede noch so schöne Farbe. Um überhaupt vernünftige Farben hin zu bekommen muß man sich ausgiebig mit dem Weißabgleich der Kamera beschäftigen. Die Nikon D850 ist in diesem Fall gut gerüstet und liefert mit den Einstellungen „Auto0 – Weiß bewahren (warme F. red.)“ sehr gute Ergebnisse.

Es muß aber nicht unbedingt eine Nikon D850 sein. Vor jeder Fotosession mache ich zb Bildreihen um den richtigen Weißabgleich herauszufinden. Ein iphone13 kommt mit diesen Lichtverhältnissen auch sehr gut zurecht. Für das iphone gibt es darüber hinaus Software um Farbtemperaturen zu ermitteln. Auch das kann helfen.

Was ich euch damit sagen will, investiert viel Zeit für den richtigen Weissabgleich, die Qualität der Bilder wird es euch danken.

-Farbraum-

Ich arbeite grundsätzlich mit AdobeRGB, auch in der Kamera. Das ist nicht nur Gewohnheit sondern meines Erachtens eine sehr gute Basis für alles was danach kommt. Viele werden jetzt sagen sRGB ist doch ok. Na klar geht das auch. Aber wenn ihr im Detail über Hauttöne diskutiert und das richtige Trikotrot, dann geht es mit AdobeRGB vielleicht etwas besser.

-Filmsimulation-

Bei Nikon heißt das ja PictureControl und ich nutze die Portraiteinstellung. Jede Kamera hat solche kleinen Tools die dafür sorgen das bestimmte Eigenschaften eines Bildes stärker betont werden. Ich habe nach langen herumprobieren festgestellt, das sich die Konzentration auf die Hauttöne in der Hallenfotografie lohnt. Stimmen die Hauttöne ist das Verhältnis der Umgebungsfarben meistens auch ok. Wenigstens gibt es ein stimmiges Gesamtbild und darauf kommt es an.

-Farbkontrast-

Jetzt wird es wichtig! Die Bilder werden erst richtig knackig wenn der Farbkontrast stimmt.

Farbkontrast? Ja damit müßt ihr euch beschäftigen. Es reicht nicht aus den Kontrastregler von Lightroom zu bewegen.

Nikon bietet in ihren Kameras das „Active D-Lighting“ an, was die Sache unheimlich erleichtert. Die Nikon Anleitung schreibt zu „Active D-Lighting“ zwar nur das Detailzeichnungen in Lichter und Schatten bewahrt werden. Dies ist aber nur die halbe Wahrheit. Dahinter liegt ein schlauer Algorithmus der auch den Farbkontrast des gesamten Bildes beeinflusst.

Meines Wissens verfügen die Fuji Kameras auch über eine ähnliche Funktion. Mit ein wenig rumprobieren in LR, CaptureOne sollte man aber auch damit weiter kommen.

Ausschnitt ist auch wichtig, ohne die Zuschauer wäre es nur halb so schön

Hohe Verschlußzeit

Meine bevorzugte Verschlußzeit in der Halle ist 1/1500sec. Die Verschlußzeit ist das führende Element, Blende und ISO treten zurück. So kommt es, dass es meistens ein ISO3200 wird. Eventuelles Rauschen muß dann halt akzeptiert oder im nachhinein rausgearbeitet werden. Die Blende ist offen was f2-f2.8 bedeutet. Vignettierungen nehme ich in Kauf und arbeite auch sie anschließend raus.

Schlaue Strategie beim fokussieren

Wer jetzt auf die Kaufempfehlung für eine Nikon Z9, Z6ii oder Sony Alpha 9ii wartet muß ich enttäuschen. Mein Credo lautet eher: Verstehe dein Werkzeug und Du kannst damit hervorragende Bilder machen. Dazu vielleicht eine kleine Anekdote. Bei meiner letzten Hallenfotografie stand ein Kollege mit der Z6ii neben mir. Er klagte über bis zu 50% Bildausschuß trotz toller Gesichtserkennung.

Bei Sport stelle ich den Autofokus der Nikon D850 auf „3D/AF-C“ oder „dynamische Messfeldsteuerung-d25/AF-C“ ein. Nach etwas Übung liegt mein Ausschuß an unscharfen Bildern bei ca 20%. Gleiche Werte habe ich aber auch schon mit der Nikon D800 erreicht. Schwierig wird es immer wenn die Spieler kreuzen, dann kommt der Autofokus einfach durcheinander.

Was der Kollege mit der Z6ii aber falsch gemacht hatte war die fehlende Fokussierung auf klare Objekte. Ich konzentriere mich auf einzelne Spieler oder bestimmte Spielsituationen. Dafür hat man schnell die richtige Autofokuseinstellung und trifft halt immer. Passiert etwas daneben hat man zwar kein Bild davon, aber was nützt die unscharfe Aufnahme einer tollen Spielsituation. Das ganze habe ich auch schon soweit getrieben das ich mir bestimmte Fokusfallen aufgebaut habe und den Bereich mit einem 35mm permanent fotografiert habe. Mit dem richtigen Ausschnitt habe ich dann in der Bildbearbeitung schicke Bilder generiert.

Zusammenfassendes

Lasst euch nicht erzählen ihr braucht eine neue Kamera um tolle Handballbilder zu machen. Mit den obigen Tipps könnt ihr mit jedem Apparat sehr gute Ergebnisse erzielen.

Wie ich das mit der Fokusfalle gemacht habe findet ihr hier.

Wie man mal neue Wege in der Handballfotografie gehen kann findet ihr hier.

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