Auf der Suche nach neuen Fotostyles bin ich mal wieder auf Capture NX-D gestoßen.

Der 2014 erschiene Nachfolger von CaptureNX2 verfolgende auf meinem Rechner ein kleines Mauerblümchen dasein. Es war zwar immer installiert und mit den aktuellen Updates gepflegt, aber damit gearbeitet habe ich eigentlich nicht. Warum auch, lokale Anpassungen sind damit passe und im Vergleich zu Lightroom oder Capture One wirkt die Oberfläche doch recht eingestaubt.

Allerdings treibt mich gerade um, neue Styles zu entwickeln, die abseits dem Mainstream liegen. Also warum soll NX-D hier nicht helfen ?

Fangen wir mal einfach an. Nutzt man in beiden Anwendungen den Adobe RGB Farbraum, so werden die Farben identisch abgebildet, wenigsten konnte ich keinen Unterschied erkennen. Auch die Hauttöne sind identisch. Auch beim Zuschalten der Korrektur für chromatische Aberration und Verzeichnis konnte ich keine Unterschiede feststellen.

Beim Rauschen war das aber schon anders. Ohne manuellen Eingriff bei Lightroom waren dessen Ergebnisse deutlich schlechter. NX-D haut da alles weg. Mit ein paar manuellen Eingriffen in Lightroom kann man diesen Unterschied allerdings ausbügeln. Bei NX-D hat man das aber einfacher.

Dann kam aber der erste deutliche Unterschied. In NX-D wirken die Bilder viel kontrastreicher, es gibt einen satten Verlauf von schwarz bis weiß, so wie es das Histogramm auch anzeigt. Da wo NX-D feine Kontraste abbildet wirkt Lightroom im Vergleich  flauschig, in hellen Bereichen sogar milchig.

 

Lightroom vs Capture NX-D

Hier ein Beispiel aus meinen Rom-Bildern. Links Lightroom, rechts das gleiche Bild in Capture NX-D, beides ohne Anpassungen.

 

Die Unterschiede sind meines Erachtens so gravierend, dass man sich fragen muß, ob bei der Print Erstellung dieser Effekt auch eintritt. Das werde ich aber später mal untersuchen.

Nun zu den Tools der Bildanpassung. Ich will nicht auf jeden Punkt eingehen sondern nur das hervorheben, was mir aufgefallen ist.

Scharfzeichnung mit Picture Control

Bei den Picture Control Werkzeugen von NX-D hat es mir die Scharfzeichnung angetan. Ihre Wirkung gibt den Bildern eine interessante Feinheit und steigert auch den Microkontrast. Ja, mit Lightroom kann man das auch machen, wurstelt sich aber mit den Einstellgrößen Betrag, Radius, Details und Maskieren ganz schön ab um vergleichbare Ergebnisse zu erzielen. Am Ende finde ich die NX-D Ergebnisse aber schicker.

Gradationskurve

Wer hat die Gradationskurve von Lightroom nicht schon mal als Zumutung empfunden. Ganz anders in NX-D. Die Kurven lassen sich sehr fein einstellen. Was aber viel interessanter ist, die Algorithmus dahinter arbeitet anders und liefert deutlich feinere Ergebnisse. Jetzt ist das aber nicht unbedingt ein klarer Punktsieg für NX-D. Lightroom geht mit der Histogrammbearbeitung andere Wege und lässt Eingriffe per Lichter, Tiefen, Weiß, Schwarz und Klarheit zu, wovon NX-D in diesem Umfang nur Träumen kann. NX-D verfügt allerdings neben den RGB-Kuven noch über den LCH-Editor. Capture One verfügt über die LUMA Kurven, was dem LCH-Editor bei der Helligkeitsbearbeitung sehr ähnlich ist. Lightroom hat allerdings nichts Vergleichbares in seinem Koffer. Die Ergebnisse der Kurven von NX-D erscheinen aber interessant um den Mainstream von Lightroom und Capture One zu verlassen und neue Styles zu suchen.

Performance

Mir ist es nicht geglückt NX-D an seine Performancegrenzen zu führen. Es fehlt auch der Lightroom Effekt „hat er schon oder rechnet er noch“. Capture One scheint hier aber noch eine andere Nummer zu sein.

Fazit:

Lightroom wird für mich wohl vorerst der Platzhirsch bleiben. Das ganze Handling ist ausgereifter, NX-D wirkt hier doch sehr verstaubt. Trotzdem finde ich die Ergebnisse aus NX-D sehr interessant.

Wie schon erwähnt arbeite ich gerade an Looks abseits vom Mainstream. Ich stelle mir gerade so was vor wie den „ZEISS-Look“. Qualitative Schärfe, feine Microkontraste und feine Gradationskurvenanpassungen. Die Ergebnisse von NX-D sind dabei so vielversprechend, dass es sich lohnt den Pfad mal weiter zu verfolgen.

3 Comments

  1. Danke für den Beitrag über Capture NX-D. Ich arbeite seit langem damit.
    Ich freue mich, dass jemand meine guten Erfahrungen mit Capture NX-D teilt.
    Gerade habe ich noch einmal wieder die neuste Lightroom Classic CC Version als Alternative getestet. Die Lichter/Tiefen-Korrektur in Lr scheint mir in der Tat überlegen. Gleiches gilt für Perspektivkorrektur/Ausrichten.
    Insgesamt bietet Lr darüberhinaus eine Funktionsvielfalt, an die NX-D nicht heranreicht.
    NX-D bedient die “Basics” der Bildbearbeitung, das aber gut
    Ein wesentlicher Faktor: Nikon Capture NX-D ist kostenlos. Lr im Abo ist da schon eine andere Hausnummer.

    Volker
  2. Vorab, vielen Dank an Dirk, der diesem Thema Raum gibt, auch wenn es schon einige Zeit her ist…

    Obwohl NX-D als Nachfolger von NX-2 nicht so richtig gerecht wird, ist es ein Geheimtip für Nikonfotografen.
    Als Capture NX-2 für mich obsolet wurde (da die RAW Dateien neuerer Kameras nicht mehr lesbar waren), habe ich mich entäuscht und frustriert davon abgewandt, aber nachdem ich so ziemlich alle RAW Software durch hatte (LR, PS, Capture One, DxO Photolab, darktable, ON1 Photo RAW, Affinity…), begab ich mich auf den Weg zur Quelle zurück, “Back to the Roots” sozusagen.

    NX-D hat etwas von einem sturen und unbequemen Werkzeug, dass nur in der Hand des Meisters Feinheit und Erlesenheit erzeugt, und nur diesem seinen wahren Wert offenbart.
    Das liegt wohl unter anderem daran, dass Nikon die Kameraalgorithmen inne hat und nur in dieser Software anwenden lässt, und da liegt der Schatz begraben.
    Anwenderfreundlichkeit und Geschwindigkeit? Das können die anderen.
    Ein Reverse Engineering fällt also weg, und deshalb können Adobe oder Capture One, was die detaillierte Ausarbeitung eines von einer Nikon Kamera erzeugten Bildes, NX-D das Wasser nicht reichen.
    Vor allem was die Bearbeitung von Rauschen und Schärfen angeht, kommt LR oder CO nicht hinterher.
    Auch die Übernahme der Kameraeinstellungen, wie z.B. Picture Control oder Active D-Lightning, oder die Übernahme aller Bilddaten (z.B. Blitzeinstellungen bei der Benutzung von Nikon Blitzgeräten, VR Modus, etc.) sind Argumente für diese Software.
    Die Verarbeitungsgeschwindigkeit ist allerdings kaum zu ertragen und lässt meine vier Kerne ausgiebig arbeiten (die Exportgeschwindigkeit ist OK), aber gut Ding will Weile haben.
    In der der neuesten Version 1.5.2 gibt es sogar wieder den Farbkontrollpunkt, wie in alten Zeiten, als Nik die Software entwickelt hat.
    Was waren das für Zeiten, als die Metadaten in der RAW Datei eingebettet waren (und das von mehreren Bildversionen).
    Sidecardateien, ich weiss nicht warum das Nikon eingeführt hat (Patente?).
    Auch die Anwendungsfreundlichkeit ist mit den Produkten der Konkurrenz bei weitem nicht zu vergleichen, aber wer seine Bilder liebt, sich die Zeit nimmt und sich in diese Software einarbeitet, wird wohl die besseren Ergebnisse erzeugen, auch wenn es hier ein wenig archaisch zugeht.

    Fazit:
    Ein unkomfortables, etwas hölzernes, aber sehr wertvolles Werkzeug für den Nikon Fotografen.
    Nur etwas für spezielle Fotografien.
    Es gibt für jedes Bild, das ich erzeuge die entsprechende Software, NX-D ist halt für den Feinschliff geeignet, allerdings auch nur für Nikon NEF, da die TIFF Bearbeitung Einschränkungen mit sich bringt.
    LR ist der Platzhirsch, obwohl in letzter Zeit sein Revier von anderen bedrängt wird.
    Es ist halt komfortabler, vielfältiger und detaillierter, aber es fehlt ihm der Glanz.
    Das Abo Modell und die Androhung von juristischen Massnahmen bei der Weiterbenutzung älterer Versionen, machen es LR nicht unbedingt leichter.

    NX-D ist eher für den ambitionierten Amateur, als für einen Profi geeignet, der nicht unbedingt die Zeit und Muße für jedes seiner Bilder aufbringen kann.
    Wer jedoch das Optimum aus seinen Nikonbildern herausholen will, der kommt an dieser Software nicht vorbei.
    Und da sage jemand, dass etwas, was nicht kostet, nichts wert sei…

    Danke Nikon.

    Jan
    1. Hallo Jan,
      deine Erfahrungen mit den Bildbearbeitungstools ist interessant. Ich stimme mit dir überein das LR insgesamt einfach runder ist. Die ganze Bearbeitung geht da intuitiver und somit auch einfach. Ganz bin ich nicht bei dir das NX-D eher was für den ambitionierten Amateur ist. Tonwerte und Kurven und LCH-Editor sind schon mächtige Tools mit denen man eigene Styles entwickeln kann, die man nur schwer mit LR oder CaptureOne genauso hinbekommt.
      Die Vorteile in der RAW Bearbeitung sind klar vorhanden, wobei ich mir manchmal etwas feinere Einstellmöglichkeit wünschen würde. Ich möchte NX-D gar nicht in eine Klasse packen die unter LR oder CaptureOne liegen. Je nachdem was ich mit der Bildbearbeitung machen möchte springe ich zwischen den Tools hin und her. Jeder hat da Stärken und Schwächen.
      Es ist wahnsinnig Schade das Nikon die Software NX-D nicht in seiner Handhabung und mit weitere Tools aufpeppt, dafür dann auch Geld zu bezahlen wäre für mich schon akzeptabel.
      Vielleicht liest Nikon das jetzt und nimmt ein altes Geschäftsmodell wieder auf.

      Dirk Fietz

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