Christopher Thomas – Paris im Licht

Man muß schon etwas stöbern bis man auf Christopher Thomas stößt. Die Vita liest sich spannend. Reportagen in Geo, Süddeutscher Zeitung Magazin, Stern, Merian und internationale Ausstellungen in New York, L.A., Berlin oder Venedig pflastern seinen Weg. Da bewegt sich jemand im Olymp der Fotografie.

Meine Aufmerksamkeit weckte er mit Kunstprojekten wie Lost in L.A., Venice in solitude oder Paris im Licht. Es waren die Bilder aus Paris die ich in der Linhof Galerie gefunden hatte und mich zum verharren eingeladen haben. Hier ist jemand unterwegs der mit einer Linhof Technika tolle Bilder macht, einen eigenen Stiel entwickelt hat und gekonnt das Perspektivspiel mit den Einstellebenen einer Fachkamera beherrscht. Nur wenige Tage später lag das Fotobuch PARIS IM LICHT auf meinem Tisch von dem ich hier berichten möchte.

Christopher Thomas - Paris im Licht - Metro Louvre

Der erste Eindruck

“Paris erschließt sich den Eiligen nicht, es gehört den Träumern, denen, die sich sich in den Straßen zu amüsieren wissen; und ihr Lohn ist, dass sie sehen, was andere nie sehen werden.”

Julien Green

Ein gutes Fotobuch muß eine Seele haben. PARIS IM LICHT startet mit einem Zitat von Julien Green und es ist so, dieses Werk trifft es recht gut.

Die Bilder sind menschenleer und präsentieren das nackte Paris. Licht spielt eine große Rolle. Das wichtigste sind aber Perspektiven wie man sie nur mit Fachkameras hinbekommt. Vordergründe werden betont, stürzende Linien aufgehoben, es wirkt alles etwas surreal ohne ins Übertriebene abzugleiten.

Christopher Thomas - Paris im Licht - Place de la Concorde

Kontraste

Das Bildband ist klassisch aufgemacht, im wesentlichen ist auf jeder Seite ein Bild. Gerne stellt man auf solchen Doppelseiten 2 Bilder gegenüber, die einen Kontrast darstellen. Christopher Thomas lässt dieses Gestaltungselement natürlich nicht links liegen. Zwei mal das gleiche Motiv jeweils Nachts und Tags sieht man häufiger. Gebäude einmal von links und dann von rechts oder die Strasse runter und dann wieder rauf. Oder eine Belichtungsreihenfolge über 5 Bilder. Mmmh, das ist nicht ganz uninteressant aber auch nicht der Knaller. Meine Mastervorlage für solche Buchkontraste ist immer noch ein Buch von Alfred Eisenstaedt. PARIS IM LICHT kommt da leider nicht ganz ran. Ein kleiner Wermutstropfen der aber dem Gesamtwerk PARIS IM LICHT keinen großen Abbruch leistet.

Christopher Thomas - Paris im Licht - Seineufer

Die Handschrift von Christopher Thomas

Christopher Thomas spielt gekonnt mit den Perspektiven. Frontalstandpunkt, Tilt und Shift, Scheimflug, das ganze Buch wirkt wie ein Lehrstück der Fachkameratechnik. Einzelne Bilder zu analysieren macht da richtig Spaß, auch oder gerade weil die Perspektiveingriffe so ausgeführt sind das sie die Grenze der Unnatürlichkeit nicht überschreiten. So ein bisschen hat das was von Dadaismus oder auf der anderen Seite einer klaren Architekturfotografie; ein schöner Kontrast.

Fotografisch bleibt er konstant einem Stil treu. Lange Belichtungszeiten, große Tiefenschärfe, den Detailreichtum des Großformates. Alles ist SchwarzWeiss wobei viel mit Licht gespielt wird. Die Bilder sind selten homogen ausgeleuchtet was am Ende im Gesamtpaket dem Zitat von Julien Green nahe kommt: …Paris erschließt sich den Eiligen nicht, es gehört den Träumern….

Christopher Thomas - Paris im Licht - Notre Dame

PARIS IM LICHT ist eine Inspiration. Nicht nur weil es ein tolles Buch ist. Es lädt nach Paris ein und erinnert einen, dass man sich dort viel Zeit nehmen sollte. Sehr schön!

Die Homepage von Christopher Thomas findet ihr hier.

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