Ein Wochenende mit dem Nikon 28mm 1.4E

Ist das Nikon 28mm f1.4E die neue Inkarnation der Streetphotografie? Diese Frage stelle ich mir seit die D850 in meine Fototasche eingezogen ist. Das Objektiv gehört ja zu den den neuen Goldringen 28mm – 58mm – 105mm die von vielen D850-Nutzern als Top of the Pop angesehen wird. Nachdem ich mir das 58er zugelegt hatte war mein Interesse geweckt. Das 58er begeistert mich mit seinem tollem Character, also warum nicht mal das 28er probieren. Wie bekannt bin ich ja hauptsächlich mit einem 35er von Zeiss unterwegs. Dies könnte man vielleicht mit dem neuen 28er ablösen, wenn es sich mit Outstanding-Performance präsentieren würde.

So meine Gedanken als mir PROBIS in Hannover die Gelegenheit gab das 28er mal für ein Wochenende zu testen. Ein Wochenende auf Norderney stand an, also warum nicht die Zeit nutzen und sich in Ruhe mit dem Objektiv beschäftigen.

Der erste Kontakt

Das Nikon 28mm f1.4E ist kein kleines Objektiv, präsentiert sich aber an der D850 wie eine gute Einheit. Mit 645gr zieht es schon etwas an der Schulter. Der Mitbewerber von Sigma schlägt allerdings mit 865gr und das Zeiss Otus mit satten 1390gr zu buchen. Also ein klares Plus für das Nikkor. Wo wir schon beim Vergleich sind, preislich sortiert sich das Nikkor 28mm mit einem Straßenpreis von ca. 1750Euro zwischen Sigma (ca 1200Euro) und Zeiss Otus ein (ca. 3600Euro) ein.

Das 28mm präsentiert die aktuellen Objektivbaukunst von Nikon. Die Japaner haben da offensichtlich alles Reingeschmissen was sie zur Zeit können – Nanokristall- und Fluorvergütung, 9 Lamellen mit elektromagnetischen Blendenmechanismus und eine neuer Linsenaufbau. Alles Schick…

Fangen wir mal mit dem Autofokus an. Trotz der neuen Technologien ist das jetzt auch nicht alles superschnell. Präzise ja, aber alles andere wäre ja auch eine Enttäuschung. Auf einem anderem Feld ist das Objektiv aber außergewöhnlich. Chromatische Aberration gibt es offensichtlich nicht mehr! Dafür Gratulation an die Nikon Ingenieure. Die Farben sind im Zusammenspiel mit der D850 immer genau, der Weißabgleich funktioniert hervorragend, mit der Belichtung lässt sich sehr gut arbeiten. Auf diesen Feldern bildet die Kombi wirklich ein tolles Arbeitsgerät.

Der Character ist entscheidend

Wir reden bei dem Nikkor 28mm 1.4E über ein perfektes Objektiv. Ob man es mag entscheidet sich wie so häufig im Leben über seinen Character. Beim Kontrast zwischen hell und dunkel wirkt es etwas weich. Die Lichter strahlen nicht besonders zeigen dafür aber viele Details. Die Tiefen sind nicht richtig schwarz haben dafür aber auch viele Details. Gleiches gilt für die Farbkontraste. Das ist absolut kein Qualitätsthema, gibt den Bildern aber eine recht weiche Haptik. Interessant wird dieser Effekt in Zusammenspiel mit einem sehr ausgeprägten Edge Character. Die Kanten werden sehr klar herausgestellt, dadurch bekommen die Bilder diesen POP wie man ihn eigentlich nur aus dem Mittelformat kennt. Hier mal ein Beispiel was das veranschaulichen soll.

Ups, was ist denn das ?

Was die Nikon Ingenieuren dem 28er leider nicht abgewöhnen konnten ist ein deutlicher Hang zu Verzeichnungen. Fotografiert man den Horizont ist dieser nicht gerade sondern gewölbt. Bei Bildern mit Tiefe und Architektur ist alles ein bisschen schief. Normalerweise muß das nicht schlimm sein, ist aber auffallend und mich hat es am Ende schon gestört. Wenn ich über ein neues Immerdrauf rede, müssen diese Punkte schon perfekt sein. Hier ein Beispiel wo sich die Glasfront doch schon seltsam verdreht…

Fazit zum Nikon 28mm f1.4E

Es hat nicht gereicht. Das 28er ist ein sehr gutes Objektiv. Wenn ich aber 1700Euro auf den Tisch lege, dann erwarte ich eine technisch perfekte Lösung und die Möglichkeit meinen Bildstyle weiter zu entwickeln. Wie beschrieben ist das Nikkor 28mm 1.4E auf einem sehr hohen technischen Niveau aber nicht perfekt. Mit dem Objektiv bekomme ich ein bisschen Mittelformatstyle aber den auch nur mit Kompromissen. Dafür ist mir am Ende der Preis zu hoch, insbesondere da ich mit meinem aktuellem Immerdrauf Zeiss 35mm nicht schlecht besetzt bin. Hier noch ein paar Beispiele:

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